Zypern – oder Türkei?

Im Frühjahr 2026 habe ich mit RSD (die aber nicht zu empfehlen sind!) eine einwöchige Bus-Reise nach Nordzypern unternommen. Ähnlich wie zuvor in Ägypten ist man zwar innerhalb der Reisegruppe etwas limitiert und man weiß zudem nie, wer dann alles so dabei ist, aber man muss sich um nichts kümmern und wird stets zuverlässig von A nach B kutschiert. Los ging es in München mit einem Charterflieger, der aufgrund der politischen Lage in Antalya zwischenlandete und dort auftankte, bevor es direkt ohne Umsteigen auf den nördlichen Teil der Insel weiterging. Einen Direktflug gibt es nicht und alle Caches in Nordzypern zählen zu „Zypern“.

Auch wenn die Geocaches und der Länderpunkt mich hierher lockten, war ich doch auch sehr gespannt auf die diversen Sehenswürdigkeiten, das Inselleben und wie die türkischen und griechischen Bürger mit der Teilung umgingen. Am ersten Tag schauten wir uns zunächst das Kloster Barnabas bei Famagusta an, in dessen Nähe ich auch meinen ersten Zypern-Cache besuchen konnte. Obwohl man es vorher nicht so recht einschätzen kann, hatten die Reiseteilnehmer an den Haltepunkten immer viel Zeit für eigenständiges Herumlaufen bekommen, so dass ich im Großen und Ganzen meine angestrebten Geocaches weitgehend besuchen konnte. Trotzdem ist man natürlich auf die Haltepunkte angewiesen und der Bus macht keine Extrastopps oder fährt irgendwelche Schleifen. Nach dem Kloster Barnabas fuhren wir nach Salamis, das ein eisenzeitliches Stadtkönigreich war. Die antike Stadt wurde 1974 ausgegraben.

Schließlich schauten wir uns am ersten Tag auch noch Nikosia an. In der Hauptstadt spürt man am besten die Teilung, denn ähnlich wie seinerzeit in Berlin verläuft hier die heutige Grenze direkt durch die Stadt. Mit einem EU-Ausweis war es kein Problem, über die Grenze zu laufen, die insbesondere von neutralen UN-Soldaten bewacht wird. Ansonsten hat die Türkei in Nordzypern aber auch mehr als 30.000 eigene Soldaten stationiert, eine riesige Flagge an den Berghang befestigt und sehr viele Festland-Türken zu einem Umzug nach Nordzypern ermuntert. Aufgrund der politischen und strategischen Bedeutung von Zypern (u.a. Gas-Vorkommen) kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass die Türkei sich eines Tages wieder aus Nordzypern zurückziehen wird.

Am zweiten Tag fuhren wir auf die Karpaz-Halbinsel, die tolle Badebuchten hat und auch mehrere freilebende Wildesel beherbergt. Wir besuchten das Kloster Andreas, wo wir herzlich von Eseln und Obstverkäufern begrüßt wurden.

Am dritten Tag schauten wir uns Famagusta an. Die kleine Stadt hat viele schöne Bauten und eine tolle Innenstadt, wo man geruhsam flanieren kann. Zu unserer Überraschung regnete es heute sogar ein wenig. Wasser ist ansonsten Mangelware. Die meisten Häuser haben eine große Tonne auf dem Dach, wo sie Wasser sammeln und speichern (und von der Sonne erwärmen), da fließend Wasser nicht durchgängig zur Verfügung steht. In Famagusta besuchten wir auch einen Teppichhändler, was einen unangenehmen Teil dieser Reise darstellte. Der Reiseveranstalter RSD finanziert das komplette Flugzeug über obligatorische Verkaufsveranstaltungen bei einem Teppichhändler sowie einem Schmuck- und Lederverkauf, so dass die Reise auf den ersten Blick wirklich sehr günstig erscheint, aber man muss dann auch die Verkaufspraktiken aushalten können. Eine Mitreisende hat das beispielsweise nicht so gut geschafft und musste 2.800 € nachlegen – für Teppich, Lederjacke, -tasche sowie einen Tansanit-Schmuckstein, der auch als „sichere“ Geldanlage angepriesen wurde.

Am vierten Tag besuchten wir die gotische Klosterruine Bellapais, von der man einen tollen Blick auf die Nordküste hat, und die Hafenstadt Kyrenia, wo wir in der zweiten Reisehälfte untergebracht wurden.

Der fünfte und sechste Reisetag standen grundsätzlich zur freien Verfügung, aber natürlich wurden zu hohen Preisen optionale Zusatzpakete verkauft. Ich konnte auch hier standhaft bleiben und fuhr auf eigene Faust mit dem örtlichen Linienbus zur Alagadi-Bucht, die auch als „Turtle-Beach“ bekannt ist. Bei den Bussen muss man wissen, an welchen Straßen und zu welchen Zeiten diese fahren. Dann kann man sich grundsätzlich überall hinstellen und dem Bus zuwinken, damit er anhält. Das Ziel ist gut sichtbar in der Scheibe erkennbar. Bezahlt wird erst beim Aussteigen und Euro werden auch akzeptiert. Man muss allerdings damit rechnen, dass man als Tourist erkannt wird und dann der genannte Fahrpreis bereits ein gutes Trinkgeld enthält.

In der Alagadi Schildkröten Bucht konnte ich zwar keine lebende Schildkröte entdecken, dafür aber in einer (ebenfalls geschlossenen) Schildkrötenhilfsstation eine ausgestopfte. Außerdem gab es in der Nähe einige Geocaches und am zweiten Tag, an dem ich erneut hierher fuhr, bin ich auch noch baden gegangen.

Insgesamt war es schon ein sehr schöner Urlaub, der nicht viel gekostet hat. Da aus unserer Gruppe aber eine Person kurzfristig nicht mitreisen konnte, setzte RSD einen „Stornierungsprozess“ in Gang, der nicht nur das bereits bezahlte Reisegeld einbehielt, sondern eine saftige Stornierungsgebühr beinhaltete, der den eigentlichen Reisepreis um ein Mehrfaches überstieg und schließlich sogar eine Nachzahlung erforderte. Alleine deshalb würde ich von RSD dringend abraten und lieber eine Reise bei Netto, Aldi, Lidl usw. empfehlen, auch wenn diese ggf. von vorneherein etwas mehr kosten.